Gilgamesch

Stephen Mitchell (Hrsg.)

Seiten: 277
Verlag: Goldmann Verlag
Erscheinungsjahr: 2006
ISBN-Nummer: 978-3-442-21746-5

Es gilt als eine der ältesten, schriftlich fixierten Erzählungen. Allein das ist schon spannend, finde ich. Nach der Lektüre des Buchs "Am Himmel die Flüsse", in dem es unter anderem um die Entdeckung der mit Keilschrift versehenen Tontafeln geht, wollte ich genauer wissen, was es mit dem Gilgamesch-Epos auf sich hat. Ich dachte, es sei schwieriger zu lesen, aber in dieser modern aufbereiteten Variante (mit zahlreichen Anmerkungen) ist das Werk ausgesprochen unterhaltsam - und überraschend!

„‚Alle Könige übertreffend, kräftig und hoch gewachsen wie kein andrer, gewalttätig, großartig, ein Wildstier von Mann, unbesiegter Führer, Held in vorderster Front, geliebt von seinen Soldaten (…) zu zwei Dritteln göttlich und zu einem menschlich (…) grub Brunnen an den Hängen, überquerte das weite Meer, fuhr zur aufgehenden Sonne, reiste bis an den Rand der Welt, auf der Suche nach dem ewigen Leben (…), brachte er die alten, vergessenen Riten zurück und erstellte die Sintflut-zerstörten Tempel neu und setzte die Statuten und Sakramente wieder in Kraft zum Wohle des Volks und des geheiligten Lands. Wer gleicht Gilgamesch?'“

Mit diesen Eingangssätzen ist die Geschichte des Gilgamesch schon beinahe erzählt. Gilgamesch, der brutale Herrscher, dem die Götter zur Besänftigung seines ungestümen Geistes einen Freund zur Seite stellten, Enkidu. Die beiden sind unzertrennlich, doch als Enkidu stirbt, ist Gilgamesch voller Gram. Er begibt sich auf die Suche nach dem ewigen Leben, besteht die schwierigsten Prüfungen – bis auf die letzte – und kommt seinem Ziel doch erstaunlich nah. Hätte da nicht die Schlange…

Mehr wird nicht verraten. Das Gilgamesch-Epos gilt als das älteste bekannte literarische Epos der Weltgeschichte – aus der Zeit von 2000 v.Chr.; es wurde in Keilschrift in Tontafeln niedergeschrieben. Seine Entdeckung und Übersetzung ist Teil eines Erzählstrangs in „Am Himmel die Flüsse„.

Ich habe den umfangreichen, 80 Seiten langen Einführungsteil dieses Buchs nur in Ausschnitten gelesen oder überflogen, ebenso die vielen Anmerkungen zum Text. Doch das Epos selbst, das hier in eine verständliche Form gebracht wurde, fasziniert mich sehr! Die Sintflut spielt eine Rolle – der  biblischen zu ähnlich, als dass dies (2000 Jahre vor Christus!!!) ein Zufall sein könnte. Es wird geliebt, gehasst, gekämpft, Götter fahren hernieder, Sex spielt eine Rolle und der Tod. Das alles mutet an wie eine moderne Sage. Das Epos quasi als antike Fantasy. Faszinierend – und sehr, sehr lesenswert!

Ausgewählte Bücher:

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Gilgamesch


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Am Himmel die Flüsse


Elif Shafak
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Yellowface


Rebecca F. Kuang