In ihrem Haus

Yael van der Wouden

Seiten: 315
Verlag: Gutkind
Erscheinungsjahr: 2025
ISBN-Nummer: 978-3-69045-006-5

Selten hat mich ein Buch so überrascht wie dieses. Ich hatte etwas vollkommen anderes erwartet, einen Krimi, um ehrlich zu sein. Sowas wie "The Housemaid", oder so. Dass sich hinter dem Titel eine Geschichte über Liebe, Besessenheit und Geschichte verbirgt, wusste ich nicht - und bin absolut begeistert.

Isabel ist eine sehr spezielle Person. Sie lebt allein im Haus ihrer verstorbenen Mutter, das sie zwar hegt und pflegt, das aber möglicherweise eines Tages ihrem Bruder Louis gehören wird – sofern der eine Familie gründet. Danach sieht es nicht aus, er wechselt die Frauen wie seine Wäsche – bis er Eva kennenlernt.

“ ‚Übrigens wollte ich dich wirklich unbedingt kennenlernen. Vor allem dich. Louis hat mir so viel erzählt. Du wohnst noch in eurem alten Haus, stimmt’s? Im selben Haus, in dem ihr drei -‚ ‚Ich hatte dich heute abend nicht eingeladen. (…) Er wird das Interesse verlieren, und ich werde nie wieder etwas von dir hören.‘ Doch der Satz hatte nicht die gewünschte Wirkung. ‚Oh‘, sagte Eva und legte den Kopf schief. ‚Wir werden sehen.‘ Es war nicht derselbe Tonfall wie zuvor, nicht die nervös kichernde Stimme, die sich hundertmal entschuldigte (…). Isabel sah sie an und bemerkte eine Veränderung in ihrem Gesicht – ein Aufblitzen nur, wie ein Riss, aber es verschwand so schnell wieder, dass Isabel nicht mehr sagen konnte, ob sie es sich nicht eingebildet hatte.“

Isabel mag Eva nicht. Was nichts heisst, denn Isabel mag generell keine Menschen. Sie ist gern für sich, folgt ihrem streng geregelten Tagesablauf und akzeptiert nur die Anwesenheit einer Haushaltshilfe. Die sie aber ständig des Diebstahls bezichtigt.
Dass Eva sich bei Isabel – oder besser gesagt: im Haus – einquartiert, verursacht Isabel nahezu körperliches Unbehagen. Noch dazu schläft Eva im Zimmer der verstorbenen Mutter. Und immer noch verschwinden Dinge …

Ich finde es richtig gut, dass ich über dieses Buch kein Vorwissen hatte und ich will möglichst wenig vorwegnehmen, deshalb breche ich die Inhaltsangabe hier ab. Denn so hatte „In ihrem Haus“ gleich zwei für mich überraschende Wendungen.

„‚I-ich…‘ stammelte Isabel. ‚Ich wusste … ich hatte keine Ahnung. Ich wusste nichts davon.‘ ‚Ist das nicht seltsam? Niemand in diesem Land scheint irgendetwas zu wissen: Niemand weiß, wo sie wohnen, wer was getan hat, wer wohin verschwunden ist. Alles ein großes Geheimnis. Wissen ist flüchtig. (…)'“

Yael van der Wouden hat ein sehr schönes, sehr intensives Buch geschrieben. Über Schuld, Besessenheit in ihren verschiedensten Formen … und mehr kann ich kaum sagen, will ich nicht mehr verraten. Es ist jedenfalls zurecht ein internationaler Bestseller!

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