Das Skript

Arno Strobel

Seiten: 382
Verlag: Fischer Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN-Nummer: 978-3-596-19103-1

Bei Büchern dieses Autors ist meine Erwartungshaltung von vornherein gering - man sollte wissen, worauf man sich einlässt, wenn man eines liest. Manchmal aber, wenn man wirklich keine Lust auf intellektuelle Lektüre hat, sind solche Bücher ja ganz passend: Ein No-Brainer, der sich rasch herunterliest.

Es werden Frauen entführt; der Täter hat es auf die Haut der Opfer abgesehen. Auf Fetzen, die er den Frauen vom Rücken schneidet, schreibt er einen Roman, der auf Papierform von den Verlagen abgelehnt worden war.

Das ist die Handlung eines Buchs in diesem Roman. Die Geschichte in der Geschichte – die quasi auf zwei Ebenen erzählt wird. Denn die Morde des Buchs werden eins zu eins nachgestellt.

„´Wir haben gehört, Sie haben Christoph Jahns Roman ziemlich verrissen?`sagte Matthiessen. ´Was genau fanden Sie daran so schlecht?´

Nina Hartmann verdrehte die Augen. ´Wo soll ich da anfangen? Das ist kein Krimi, das ist fast Splatter. Jahn beschreibt diese furchtbaren Morde an den Frauen so detailliert, als ergötze er sich an den Gräueltaten, die er sich selbst ausgedacht hat. Er lässt sie sich sogar gegenseitig dabei beobachten, wie sie stranguliert werden. (…) Viele andere Dinge, die wirklich wichtig wären, erwähnt er dagegen nur in einem Nebensatz. Es ist alles so unausgewogen, die Handlung ist so dünn, die Charaktere bleiben fach und charakterlos.`“

Dem Täter der übergeordneten Geschichte geht es nicht darum, sein eigenes Skript bekannt zu machen, sondern eben das Buch, das diese Geschichte erzählt. Der Täter ist quasi der größte Fan des Autors. Der tatsächlich erst nach einigen Krimi-typischen Verdachtswindungen am Ende feststeht.

Ganz so schlimm wie die Rezension im Buch über das Buch fällt meine nicht aus. Die Charaktere sind vielleicht etwas flach, stehen aber in interessanter Konstellation zueinander, die durch Komplikationen mit dem bösen Chef noch gefördert wird.

Flach ist auch so manche Ermittlungstaktik. Denn als geneigter Krimi-Kenner würde der Leser erwarten, dass die Ermittler das Buch, das ja die Vorlage der Taten ist, lesen – um damit dem Täter einen Schritt voraus zu sein, wissend, was er als nächstes tut. Die beiden Ermittler in diesem Fall aber lesen nicht.

“´Langsam, Herr Jahn. So schnell wird niemand zu einem Verdächtigen erklärt. (…) Sagen Sie, wie ist es mit dieser Redakteurin weitergegangen? Hat sie einfach nur dieses erste Päckchen bekommen?`

´Oh, nein, Sie … mein Gott, Sie haben ja recht – Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Sie wurde auch entführt.`“

Eine Stelle, an der sich der Leser mit der Hand an die Stirn schlagen möchte…

Weil der Spannungsbogen aber halbwegs funktioniert hat und man manchmal geneigt war, eine gewisse Ironie herauszulesen – beispielsweise bei der Schulderung des Buch-Covers – bekommt dieses Buch zwei Punkte. Und einen halben dazu, weil es meine Erwartung, wirklich nichts Anspruchsvolles lesen zu müssen, voll und ganz erfüllt hat.

Ausgewählte Bücher:

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Der Herr der Ringe


John R.R. Tolkien
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Der kleine Hobbit


John R.R. Tolkien
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A slow fire burning


Paula Hawkins