What We Can Know

Ian McEwan

Seiten: 299
Verlag: Penguin Random House
Erscheinungsjahr: 2025
ISBN-Nummer: 978-1-787-33574-5

Von Ian McEwan habe ich noch kein Buch gelesen und von "What we can know"/ "Was wir wissen können" habe ich viel Positives gehört und gelesen. Na dann, lerne ich einen neuen Autor kennen. Die Idee hinter der Erzählweise dieses Buchs gefällt mir. Überzeugen will es mich aber am Ende nicht.

Im Jahr 2014 schreibt der berühmte britische Dichter Francis Blundy ein Gedicht für seine Frau Vivien. Er trägt es in ausgewählter Gesellschaft vor, als Geburtstagsgeschenk, und überreicht es ihr. Es gibt keine Kopien, nur dieses eine Exemplar.

Mehr als hundert Jahre später wird dieses Gedicht zum Mythos. Man weiß nicht, was drin steht, nur, dass es perfekt sein soll. Es ist verschollen. Der Literaturwissenschaftler Tom hat sich zum Ziel gesetzt, es zu finden. Seit vielen Jahren recherchiert er, was nicht zuletzt aufgrund der geografischen Gegebenheiten eine Herausforderung ist. Denn im Jahr 2119 ist die Welt eine andere.

„All those about to sit down at the table in the Barn that October evening in 2014 would live past their mid-sixties. Average life expactancy today is sixty-two. Then as now, cancer, heart desease and dementia were what did and do for most. The Blundys and their guests lived in what we would regard as a paradise. There were more flowers, trees, insects, birds and mammals in the wild, though all were beginning to vanish. (…) The air they breathed was purer and less radioactive. Their medical services, though a cause of constant complaint,were better resourced and organised. They could have travelled from the Barn in an direction for hours on dry land.“

Die Welt der Zukunft ist eine Folge der Klimaerwärmung und zahlreicher nuklearer Kriege. Großbritannien ist ein Archipel, Tom ist viele Tage vor allem auf dem Wasser unterwegs, wenn er in einem der Archive nach Anhaltspunkten suchen will.

„The globalised economy and its distribution networks broken. Markets and communities became cellular and self-reliant, as in early medieval times. Those science and technology institutes, seed- and databanks, museums, libraries and universities not destroyed took to the hills and mountains. The knowledge base and collective memory were largely preserved, alonge with the internet, mostly maintained later by Nigeria (…). Heavy industry and fossil-fuel use collapsed. So called war-dust from Middle East battlefield nuclear exchanges rose to the upper atmosphere and average global temperatures dropped. By way of tsunamis, wars, starvation and disease, earth`s population dropped below four billion around the time a shattered Germany was incorporated into Greater Russia. Amid the disasters, world literature produced its most beautiful laments, gorgeous nostalgia, eloqunt fury – and those masterpieces (…).“

Kein anheimelndes Setting, in das Ian McEwan uns versetzt. Hier ist es einmal drastisch geschildert, plakativer ist aber fast die Art und Weise, wie es in der Erzählung alltäglich eine Rolle spielt, die beschwerlichen Wege. Da wäre sogar, jenseits des Mobilität-Themas, noch mehr Musik drin gewesen, bei Ernährung oder Freizeitaktivitäten etwa.

Doch das alles ist nur Hintergrundrauschen der ansonsten etwas langatmigen Recherchen und der Suche nach dem Gedicht. Tom ist inzwischen längst Blundy-Experte. Seine Vorlesungen hält er routiniert und eigentlich nur, um Mittel zu habe, seine Suche fortzusetzen. Als er tatsächlich fündig wird, ist das aber nicht sein eigenes Verdienst – und das Ergebnis absolut überraschend.

Das Ergebnis offenbart McEwan im zweiten Teil des Buchs: Es ist die Perspektive von Vivien, der das Gedicht gewidmet war und die schließlich das einzige Exemplar verwahrt hat. Wir sind also dann im Jahr 2014. Dieser Kniff löst den Titel auf und macht deutlich, dass man immer nur einen Aspekt der Realität kennen kann, egal, wie sehr man sich hineinvertieft. Die meisten Perspektiven bleiben einem verschlossen.

Diese Aussage des Buchs gefällt mir, die Auflösung ist schlüssig. Die Erzählung aus der Zukunft heraus hat für mich aber nur bedingt funktioniert – ich konnte den Blick zurück nicht mit unserer Gegenwart – bzw. dem Jahr 2014 – in Einklang bringen; Blundy und Vivien und ihre Tischgesellschaft sowie das Setting in dem alten Herrenhaus waren in meiner Vorstellung stets Figuren aus dem 19. Jahrhundert.

Und auch wenn die Auflösung nett ist, war mir der Weg dorthin zu langatmig. „What we can know“ kann man lesen, muss man aber nicht.

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