Malou Löwenberg ist Polizistin und gerade beurlaubt. Zeit, sich vielleicht mal wieder auf ein Blind Date einzulassen. Sie hütet sich vor festen Beziehungen und da ihr Leben ohnehin nur aus Arbeit besteht, kommen ihr unverfängliche Begegnungen durchaus recht. Dieses Mal kreuzt Dario ihren Weg, ein ausgesprochen gut aussehender Mann, der auch nicht ganz so doof ist wie die letzten Dates. Es ist aber vor allem seine Vergangenheit, die Malou fesselt: Dario wurde von seiner Mutter verlassen, genau an seinem fünften Geburtstag. Seitdem bekommt er jedes Jahr eine rätselhafte Geburtstagskarte – seit 30 Jahren.
„Dario steht seit gefühlten fünf MInuten im Hauseingang und starrt auf seinen Briefkasten. Als ob er spüren könnte, dass sich darin vielleicht das befindet, vor dem er sich fürchtet und das er doch herbeisehnt. Schließĺich wendet er sich ab und steigt, ohne nach der Post zu sehen, zu seiner Wohung im dritten Stock hoch. Er dreht den Schlüssel zweimal um – er schließt immer doppelt ab -, betritt den Flur und stellt seine Tasche auf den Stuhl, der neben der Garderobe steht. Dann begbt er sich in jedes seiner drei Zimmer – Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Wohnraum . Er stellt sicher, dass niemand da ist, und prüft, ob jemand da war. Das scheint nicht der Fall zu sein; alles steht genau dort, wo er es hingestellt hat, nichts ist aus der Ordnung geraten, er würde es sofort merken, wenn etwas verändert wäre. (…) Als er sicher ist, dass niemand in seinen privaten Bereich eingedrungen ist, begibt er sich ins Wohnzimmer, setzt sich auf das schwarze Ledersofa, stützt das Gesicht in die Hände und begint zu weinen.“
Malou ermutigt Dario schon früh, sich auf die Suche nach seiner Mutter zu begeben – und unterstützt ihn dabei. Praktisch, dass sie als Polizistin Zugang zu allen möglichen Ermittlungswerkzeugen hat. Und dass sie Zeit hat. Dumm jedoch, dass auch sie bald merkwürdige Karten bekommt – ist sie ins Visier eines Serienmörders geraten? Denn Darios Mutter ist nicht die einzige Frau, die am fünften Geburtstag ihres Kindes verschwunden ist.
„Vermisst“ liest sich einfach runter, was auch an der schnörkellosen Sprache liegt, die jedoch mitunter ins klischeehafte abdriftet.
„Alles ist anders, als er es sich vorgestellt hat. Und all das ist nur passiert, weil er diesen Facebook-Post geschrieben hat. Natürlich war sein Leben auch vorher nicht immer nur einfach verlaufen. Aber es hat sich bisher angefühlt wie eine Fahrt über ruhiges Gewässer, bei der hin und wieder mal eine Welle an die Bootswand schlägt. Jetzt aber hat er mit rauem Seegang zu kämpfen, und er muss schauen, dass er nicht kentert udn elendiglich im Strudel seiner Gefühle ertrinkt.“
Manchmal musste ich schon innerlich die Augen verdrehen angesichts solcher abgedroschener Formulierungen. Und doch gefällt mir die Geschichte. Ich mag die Hauptfigur Malou, die widerspenstig und eigenwillig und willensstark ist, die als Findelkind vor dem Haus ihres nun demenzkranken Ziehvaters abgelegt wurde, die selbst angesichts ihrer Geschichte versehrt ist.
Kurzum: Ein wenig kann ich den Hype im Heimatland von Christine Brand verstehen – und hab mir direkt die nächsten beiden Bände aus der „Vermisst“-Reihe gekauft. Weil’s grad auch einfach schön ist, mal wieder einen Krimi zu lesen.


