Spatz in der Hand

Thommie Bayer

Seiten: 224
Verlag: Eichborn Verlag
Erscheinungsjahr: 1992
ISBN-Nummer: 3-8218-0276-6

Nach zehn Jahren in meinem Bücherregal und animiert durch die Lektüre von „Sieben Tage Sommer“ (siehe Rezension) bin ich endlich auch mal neugierig auf „Spatz in der Hand“. Es ist allerdings nicht ganz so gut wie das erstgenannte - und mit weiteren Thommie Bayer-Büchern kann ich mir erstmal wieder Zeit lassen.

Sabine hat gerade ihren Mann verlassen – so fast zumindest – und Carl will eigentlich nur ein Drehbuch verkaufen. Im Hotelzimmer bekommt er einen Anruf, verwählt angeblich, kommt er mit der Frau am anderen Ende der Leitung ins Gespräch. Tatsächlich steckt Sabine dahinter, die im gleichen Hotel weilt, und ganz und gar absichtlich angerufen hat. Die beiden beginnen eine Art Telefon-Affäre, nur dass Sabine genau weiß, wen sie vor sich hat.

Carl begegnet Sabine bei den Verhandlungen des Drehbuch-Verkaufs, er jedoch weiß nicht, wen er vor sich hat. Das ist ein wenig unfair und mitunter bekommt man Mitleid, weil Carl irgendwie auch verarscht wird.

“Carl Stowasser war ein Mann, dessen Herz ein wenig zu groß geraten war. Ebenso wie übrigens sein Mundwerk. Nicht daß er ein Großmaul oder Angeber gewesen wäre, er war im Gegenteil bescheiden bis zur Koketterie, aber oft war sein Mund schon angekommen, bevor sein Gehirn überhaupt aufbrach.“

Carl ist recht sympathisch, er hat schließlich zwei Katzen. Sabine ist so… naja.

„Carl fühlte sich unwohl in seiner Haut. Dr. Kahlen war die typische Karrierefrau. Elegant, gepflegt und ohne Mühe souverän mit eher strenger Silhouette im schwarz-weißen Cardigan. Das einzige, was an ihr leichtfertig wirkte, war der kleine Pferdeschwanz, zu dem sie ihr Haar schlicht mit einem Gummi gebunden hatte. Sie sprach, als klebten ihre Kiefer aneinander und als höre sie sich selbst bei jedem Wort zu.“

Wie man eben so spricht, wenn man sein Stimme verstellen muss.

“Spatz in der Hand“ entsteht quasi beim Lesen – es ist das Drehbuch, das Carl verkaufen will. Es ist leichte Lektüre, unterhaltsam, nicht immer anspruchsvoll.

“Sie zog sich um und kam in Hosen und Pullover zu ihm auf den kleinen Balkon. Für einen Herzinfarkt oder Vergewaltigungsversuch wollte sie nicht verantwortlich sein. Es war schon vergnüglich gewesen, mitanzusehen, wie ihm die Haare zu Berge standen nur vom Gedanken, daß sie ohne Unterwäsche neben ihm saß. Und bestimmt nicht nur die Haare.“

Thommie Bayer macht Spaß zu lesen, und wer sich steigern möchte, lese „Spatz in der Hand“ vor „Sieben Tage Sommer“. Für den Standurlaub sind beide geeignet.

Ausgewählte Bücher:

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Der Herr der Ringe


John R.R. Tolkien
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Der kleine Hobbit


John R.R. Tolkien
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A slow fire burning


Paula Hawkins