Damaris bekommt kein Kind. Egal, was sie und ihr Freund Rogelio versuchen, Kräuter, Tees und kostspielige Beschwörungen des Dorfdruiden, nichts hilft. Die Jahre vergehen, die Menschen hören auf zu fragen, wann sie denn nun Kinder bekämen. Damaris leidet darunter, sie fühlt sich halb, zu nichts nutze. Phasen der Depression vergehen, bis sie lernt, mit dem Schicksal zu leben und den Stich zu ertragen, den sie fühlt, wenn sie andere Frauen mit Kindern sieht. Als sie die Möglichkeit sieht, dennoch für ein Lebewesen sorgen zu können, greift sie zu.
„`Sie sind jetzt sechs Tage alt´, sagte Dona Elodia. `Sie werden wohl nicht überleben´. (…) `Warum verschenken Sie sie nicht?´, fragte Damaris. `Einer wurde schon mitgenommen, aber niemand will so winzige Hunde haben.´ Es war Nebensaison, daher gab es in dem Strandlokal keine Tische, keine Musik und keine Touristen, gar nichts, nur den leeren Raum, der jetzt riesig wirkte, während Dona Elodia dort auf einer Bank saß, neben sich die Welpen in einem Pappkarton. Damaris nahm die Hunde genau in Augenschein, bis sie sich für einen entschied. `Darf ich den hier haben?´, fragte sie. Dona Elodia setzte den Welpen, den sie gerade gefüttert hatte, zurück in den Karton und holte den heraus, auf den Damaris gedeutet hatte – er hatte graues Fell und Schlappohren. Sie warf einen Blick auf sein Hinterteil. `Es ist ein Weibchen´, sagte sie.“
Die Hündin gehört nur Damaris. Sie hegt und pflegt sie, zieht sie auf, trägt sie in ihrem BH herum, bis sie zu schwer dafür wird. Ihre Sorge, Rogelio könne zur Hündin ebenso grob sein, wie er es zu seinen drei Hunden ist, die er als Wachhunde hält, bleibt unbegründet. Und doch wird Damaris mit der Hündin nicht glücklich werden. Denn die reißt gerne mal aus.
„Als sie gegen vier Uhr nachmittags fertig war und aus dem Haus trat, war die Hündin nicht mehr da. Eine dichte Wolkendecke hing so tief am Himmel, dass sie die Erde zu erdrücken schien. Die Luft fühlte sich schwer an, und Damaris dachte, dass der Hündin vielleicht heiß geworden war, sie mit einem Wolkenbruch gerechnet und nach Hause gelaufen war. Damaris machte sich sofort auf den Weg, um sie zu suchen und ihr etwas Wasser zu geben. Die Hunde lagen mit heraushängender Zunge unter der Hütte. Sie aber nicht. Damaris entdeckte sie nirgendwo. Sie sah unter dem großen Haus nach, auf den Treppen, im Garten, im Pavillon … Sie schwitzte, und die schwüle Hitze nahm ihr den Atem. Sie hätte sich gern in der Waschküche mit Wasser übergossen, um sich zu erfrischen, aber wichtiger war ihr, die Hündin zu finden. Sie rief laut nach ihr, erst überall vom Grundstück, dann ging sie ein Stück in den Dschungel hinein, um dort weiter nach ihr zu rufen und zu suchen. Sie suchte, bis es dunkel wurde, um barfuß und ohne Taschenlampe herumzulaufen. Keine Spur.“
„Hündin“ ist eine Parabel. Das Tier steht sinnbildlich für das nicht bekommene Kind. Das mag ein wenig platt wirken, findet jedoch durchaus auf subtile Art statt. Das schwierige Verhältnis, das Damaris zu dem Tier entwickelt – und das sich am Ende zuspitzt – schildert Pilar Quintana sehr dicht und atmosphärisch. Man atmet die dicke Luft des Urwalds und stapft mit Damaris bei Flut durch die Meerenge.
Es sind 150 kurzweilige Seiten, die mich aber am Ende doch etwas ratlos zurücklassen. Ich finde das Buch merkwürdig. Anders, als erwartet, berührt mich das Erzählte kaum. Ich bleibe Zuschauende, die sich – wie der kopfschüttelnde Rogelio – wundert über das, was geschieht. Durchaus ein Buch, das in Erinnerung bleibt. Aber weil ich dem Ganzen so fern bleibe, fällt es mir auch schwer, es zu empfehlen.


