Der Fremde

Albert Camus

Seiten: 159
Verlag: rororo
Erscheinungsjahr: 1942
ISBN-Nummer: 978-3-499-22189-7

Ich schreibe diese Rezension zwei Monate, nachdem ich das Buch gelesen habe, und kann mich nicht mehr an den Inhalt erinnern. Das ist nicht gerade ein Aushängeschild. „Der Fremde“ zählt laut Wikipedia zu den Hauptwerken der Philosophie des Existentialismus und Absurdismus und ist wohl eines der 100 Bücher, die man gelesen haben sollte. Nun denn, abgehakt. Jetzt muss ich aber erstmal gucken, worum es überhaupt ging.

Die Mutter des Protagonisten stirbt. Sie war im Heim und er fährt hin, um die Beisetzungsmodalitäten zu besprechen. Er zeigt keinerlei Regung und ist auch während der Beerdigung völlig emotionslos. Er, der in der Ich-Version erzählt, lebt in den Tag hinein und scheint damit ausgelastet und zufrieden zu sein. Für den Leser ist das eher eine Qual.

“Nach dem Essen habe ich mich ein bisschen gelangweilt und bin in der Wohnung herumgewandert. Sie war bequem, als Mama da war. Jetzt ist sie zu groß für mich, und ich habe den Esszimmertisch in mein Zimmer räumen müssen. Ich wohne nur noch in diesem Zimmer, zwischen den etwas durchgesessenen Strohstühlen, dem Schrank, dessen Spiegel gelb verfärbt ist, dem Toilettentisch und dem Messingbett. Das Übrige ist verwahrlost. Etwas später habe ich, um irgendetwas zu tun, eine alte Zeitung genommen und ich habe sie gelesen. Ich habe eine Werbung für Kruschen-Salz ausgeschnitten und sie in ein altes Heft eingeklebt, in dem ich die Sachen sammle, die mich in der Zeitung amüsieren. Ich habe mir auch die Hände gewaschen, und schließlich bin ich auf den Balkon getreten.“

Er fängt eine Affäre an mit Marie, die ihn – warum auch immer – heiraten will.

„Abends hat Marie mich abgeholt und hat mich gefragt, ob ich sie heiraten wollte. Ich habe gesagt, das wäre mir egal, und wir könnten es tun, wenn sie es wollte. Sie hat dann wissen wollen, ob ich sie liebte. Ich habe geantwortet wie schon einmal, dass das nichts heißen wollte, daß ich sie aber zweifellos nicht liebte.“

Dieser Schreibstil kombiniert mit diesem unfassbar langweiligen, gefühlskalten Menschen, macht das Lesen nicht zum Vergnügen. Der Mann wird später einen Araber erschießen, mit mehr als einem Schuss, weshalb er als Mörder zu Tode verurteilt werden wird.

Der zweite Teil des Buchs behandelt die Wartezeit im Gefängnis, es sind kaum mehr Handlungen als im ersten Teil beschrieben.

“Anfangs schlief ich nachts schlecht und am Tag überhaupt nicht. Nach und nach sind meine Nächte besser geworden, und ich habe auch tagsüber schlafen können. Ich kann sagen, dass ich in den letzen Monaten sechzehn bis achtzehn Stunden pro Tag schlief.“

Ich wundere mich gerade, warum ich dem Buch überhaupt zwei Sterne gegeben habe. Das einzig positive beim Lesen ist, dass es keine 160 Seiten durchzuhalten sind. Auch wenn es angeblich zu den Must-reads gehört: Ich habe es zurecht vergessen. Da bringt mir dann die Liste der 100 zu lesenden Bücher auch nicht viel.

“So konnte ich nach einigen Wochen Stunden allein mit dem Aufzählen dessen verbringen, was sich in meinem Zimmer befand. Je mehr ich nachdachte, desto mehr unbeachtete und vergessene Dinge holte ich aus meinem Gedächtnis hervor. Da ist mir klargeworden, dass ein Mensch, der nur einen einzigen Tag gelebt hat, mühelos hundert Jahre in einem Gefängnis leben könnte. Er hätte genug Erinnerungen, um sich nicht zu langweilen.“

Ausgewählte Bücher:

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Der Herr der Ringe


John R.R. Tolkien
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Der kleine Hobbit


John R.R. Tolkien
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A slow fire burning


Paula Hawkins