Das Liebesleben der Hyäne

Charles Bukowski

Seiten: 355
Verlag: dtv
Erscheinungsjahr: 1979
ISBN-Nummer: 3-423-12389-3

Mein erster Bukowski. Runtergelesen in zwei Tagen. Danach hatte ich Lust auf Sex und Weißwein. Ich würde Bukowski nicht mögen, sagte man mir. Aber: Ich mag dieses Buch.

Wovon handelt es – außer von dem, was man bei einem Bukowski erwarten muss? Es geht um Hank Chinaski, einen alternden Mann, sexsüchtig, alkoholabhängig, leider geht immer nur eins von beiden. Ich frage mich, ob sich Bukowski selbst beschreibt.

“Und da stand ich und wartete auf sie mit meinen 225 Pfund, permanent ratlos und verwirrt, kurze Beine, Oberkörper wie ein Orang-Utan, nichts als Brust, kein Hals, Kopf zu groß, Augen umnebelt, Haar ungekämmt – ein Monstrum, eine Mißgeburt.“

Und doch: die Frauen kommen. Und gehen. Sie kommen von ganz allein, schmeißen sich ran, verführen, zieren sich so gar nicht, lassen mit sich machen. Es wird redundant, sehr sogar. Es wird langweilig – und doch wieder nicht.

Beim Lesen musste ich oft an Bret Easton Ellis‘ „American Psycho“ denken. Der hat sich Frauen und Szenen und Sex eingebildet, war voller Hass. Bildet Hank sich das alles auch ein? Voller Hass ist er jedenfalls nicht, im Gegenteil.

“`Was denkst Du so von Frauen?´ wollte sie wissen.

`Ich bin kein Denker. Jede Frau ist anders. Auf einen Nenner gebracht, würde ich sagen, vereinen sie in sich die besten und die schlechtesten Eigenschaften. Das Magische neben dem Schauderhaften. Trotzdem bin ich froh, dass es sie gibt.´

`Und wie behandelst Du sie?`

`Sie sind besser zu mir als ich zu ihnen.´“

Hank ist eine ehrliche Haut, und er hat Anstand. Wenn er gebeten wird, beim Verlassen der Wohnung darauf zu achten, dass die Tür richtig schließt, dann achtet er darauf. Fällt jemand vor ihm auf die Straße geht er hin und fragt, ob er helfen kann. Er zahlt die Alimente für sein Kind, über das man nichts erfährt. Er beichtet seinen Freundinnen, warum er mit ihnen nicht Erntedank verbringen kann (weil eine der anderen jungen Dinger nach L.A. kommt). Das mag für die einen selbstverständlich sein, für die anderen unanständig – aber ehrlich ist es. Und für Hank ganz selbstverständlich. Dabei bekommt er zunehmend Selbstzweifel.

Nichts davon würde man erwarten von einem Kerl, der Frauen wie Objekte behandelt, und sie doch eigentlich alle nur liebt. Das ist das Problem, er liebt sie alle.

“Frauen … Ich mochte die Farben ihrer Kleider; die Art, wie sie sich bewegten; den grausamen Zug, den manche Gesichter hatten; und dann, hin und wieder, die fast reine Schönheit eines Gesichts, hinreißend und vollkommen weiblich. Sie waren uns überlegen.“

Das Problem ist auch: Er will sie alle. Ihre Schenkel, ihre Haare, ihre Küsse, ihre Möse. Und darum geht es in diesem Buch.

Ich weiß nicht, ob ich Bukowski mag, aber ich mag Hank. Weil er sucht und nie findet und wenn doch, es wieder zerstört. Man erfährt etwas über Männer, die Art wie sie denken, obwohl sie niemals so denken. Was man leider nicht erfährt: Auch nur eines der Gedichte, mit denen Hank die Frauen zu sich „herschreibt“. Aber vielleicht ist das gar nicht Hank, sondern Bukowski.

 

P.S. Ein Blick in Wikipedia zeigt mir: So falsch lag ich gar nicht. „Seine Protagonisten sind Kleinkriminelle, Alkoholiker, Obdachlose, Prostituierte und er selbst in Form seines literarischen Alter Egos Henry Chinanski (genannt Hank).“

Ausgewählte Bücher:

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Der kleine Hobbit


John R.R. Tolkien
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A slow fire burning


Paula Hawkins