Terry erbt von seiner Mutter ein Haus in Nevada. Einer Region, die er nicht kennt, nicht mag, der er nicht verbunden ist. Doch das Haus ist nicht schlecht – es könnte auf einen Schlag seinen Studienkredit tilgen, würde er es verkaufen. Er will eh in L.A. bleiben und seine Ausbildung zum Facharzt fertig machen.
Wäre da nicht der Hund, Daisy, den er ebenfalls erbt. Und wäre da nicht: Bethany. Sie lernt er am ersten Abend seines Besuchs kennen, in einer Bar. Wunderschön, sexy, anziehend. Und besitzergreifend.
“Er wollte nicht ans Telefon gehen, aber jedes Mal, wenn es aufhörte, fing es gleich wieder an, und ihm kam der Gedanke, es könnte jemand vom Krankenhaus sein, wahrscheinlich eine Nachfrage zu Frances, durch deren Nebenhöhlen Gehirnflüssigkeit rann, was bedeutete, das der Eingriff schlecht oder gar nicht verheilt war. Sie lief mit einer Gehirnläsion herum, lebte auf der Straße, schlief in einem Hundezwinger. Ein Alptraum. Sie konnte eine Gehirnhautentzündung bekommen, Lähmungserscheinungen. Sie konnte sterben.
Aber die Ortsvorwahl war nicht 213, sondern 702. Für einen Augenblick war er verwirrt – ein langer Tag -, doch dann drückte er auf das Icon und nahm den Anruf an, und alles stürzte wieder auf ihn ein. Margaret sagte: `Wissen Sie, dass jemand in ihrem Haus ist?´ (…) `Sie sagt, sie ist Ihre Verlobte.´`Wer?´ `Die Frau in Ihrem Haus.´“
Es ist eine Pein, mitzuerleben, wie Terry sich nicht behaupten kann. Quasi aus dem Nichts, aus einem One Night Stand heraus, haben die beiden nun eine Beziehung, er pendelt zwischen L.A. und dem Haus seiner Mutter, in dem er nun, wenn es seine Arbeit erlaubt, mit Bethany und Daisy lebt.
Und dann ist da noch Jesse, Bethanys Ex, der anfängt, sie und Terry zu stalken. Und nicht nur das.
“Es war noch immer scharf auf sie, und darum konnte er sich irgendwie nicht bremsen, wenn er sie mit ihm sah – keine Entschuldigung, ganz und gar nicht, nicht mal annähernd, aber so war es. Alles an diesem Typen nervte ihn, von seinen Klamotten über seinen Wagen bis hin zu dem Haus, das ihm einfach in den Schoß gefallen war, bloß damit er in eine Stadt ziehen konnte, in die er nicht gehörte und wo er auf alle herabsehen konnte. Er war ein Spießer, ein Versager, und was Bethany sich von ihm versprach, war klar: Geld. Es machte ihn wahnsinnig, wirklich.“
“No way home“ wird aus drei Perspektiven erzählt: Terrys, Bethanys und Jesses. Und keine(r) der drei ist sonderlich sympathisch. Auch das muss man aushalten.
T.C.Boyle beschreibt eine toxische Beziehung, zeichnet aber auch ein treffendes Bild der amerikanischen Gesellschaft. Etwa, als Terry aus Versehen einen anderen Autofahrer schneidet.
“Es hätte schlimm ausgehen können (…) doch der andere bremste und wich aus, und alle Wagen rechts und links von ihnen fuhren weiter, als gäbe es keinen Tod. Es war Terrys Schuld, keine Frage, und die Geste, die er zu dem anderen Fahrer machte, als der Sekunden später neben ihm war – die flache Hand heben und dann an die Brust klopfen -, war die universale Bitte um Entschuldigung: meine Schuld, vergib mir, tut mir leid. Davon wollte der andere allerdings nichts wissen. Auf dem Beifahrersitz war eine Frau mit Hängebacken, aufgestecktem Haar und verkniffenen, Blitze schleudernden Augen, und ein Hund – ein Pitbull? – presste seinen übergroßen Kopf an das hintere Seitenfenstern. Der Fahrer – in den Dreißigern, rote Basecap, wutverzerrtes Gesicht – hämmerte auf die Hupe und zeigte ihm den Mittelfinger für einen Zeiraum, der das Wort `unverhältnismäßig´ neu definierte, bevor er schließlich beschleunigte und weiterraste.“
Ich würde dieses Buch nicht als erstes Buch von Boyle empfehlen, wenn man bislang noch keines von ihm gelesen hat. Aber Boyle-erprobte Lesende wissen, worauf sie sich einlassen, und kommen mal wieder auf ihre Kosten.


