Drei Frauen reisen auf die Malediven. Darcy lädt ein, um ihre Scheidung zu feiern, ein Rosenkrieg ging dem Voraus und immer noch zeichnet sich ein Kampf ums Sorgerecht ab. Camilla und Kate reisen mit gemischten Gefühlen mit. Denn die Reise fällt genau auf den 21. Jahrestag jenes Ereignisses, das sie zusammengebracht hat: Ein Massaker in einem Gästehaus. Kate war die einzige Überlebende, sie hat seitdem mit den Erinnerungen zu kämpfen und lebt zurückgezogen in einem Cottage.
„Im Laufe der Jahre wird sie zuerst den Geschworenen, dann einer Psychologin erzählen, wie sie nach draußen rannte, auf dem Gehweg auf die Knie fiel und sich übergab. Wie der Kleinbus ankam und der Fahrer sie heulend auf dem Boden fand. Wie er dachte, sie hätte einen Anfall. Im hinteren Teil des Krankenwagens zitterte sie krampfhaft und unkontrollierbar, während sie zusah, wie ein Leichensack nach dem anderen die Stufen des Gästehauses hinuntergetragen wurde. Sechs Menschen, kaltblütig ermordet von dem Mann am Empfang mit dem Lächeln, bei dem sich ihr die Nackenhaare aufstellten. Von dem Mann, der sie am Leben ließ.“
Camilla, die heute Pilatesunterricht gibt und in den Sozialen Medien Follower sammelt, hat bei dem Überfall ihren Zwillingsbruder verloren, Darcy ihre große Liebe. Vor sieben Monaten hat Darcy eine Facebook-Gruppe ins Leben gerufen und die drei sind sich erstmals begegnet. Drei Frauen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, nun vereint in einem Luxusresort im Paradies.
„Rafi bedeutet ihnen, in einen Golfcart zu steigen, wo sie eng beieinandersitzen, die Knie an die Brust, während er sie durch einen Miniaturdschungel über Sandwege zu ihrer Unterkunft fährt. Hier sind alle barfuß. Es gibt Holzschilder, die den Weg weisen zu so Dingen wie `Serenity Spa´ und `Peace Den´, und hier und da erhaschen sie durch die Bäume einen Blick auf das Hauptrestaurant, ein kleineres, intimeres Bistro und von Buchten umrahmte Strände. Rafi zeigt ihnen den Treffpunkt für Ausflüge wie das Mantarochen-Abenteuer oder die Schildkrötentour. (…) Der hohe Schrei einer Frau durchbricht die Stille, eine Männerstimme ruft etwas in einer Sprache, die Kate nicht einordnen kann.“
Auch im vermeintlichen Paradies geht das normale Leben weiter: Darcys Mann meldet sich, Kate bekommt auch diesmal die Rosen zum Jahrestag, anonym natürlich, unheilvoll. Und Camilla freut sich zunächst über die nette Bekanntschaft, die sie macht – um dann in Sorge zu verfallen, weil eben dieser scheinbar besondere Mann verschwunden ist – spurlos, bis auf einen Blutstropfen. Und dann ist da noch der Privatdetektiv, der anscheinend Beweise hat, dass damals eben nicht nur ein Täter am Werk war…
Mich hat das alles nicht wirklich mitgenommen. Das Geschehen wird – in der Jetztzeit sowie in Rückblenden – aus verschiedenen Perspektiven erzählt, meist die einer der Frauen, aber auch von Darcys Mann, ihrem Sohn, und von Mit-Urlauberin Jade. Sie erählt als einzige aus der Ich-Perspektive, was sich leider überhaupt nicht erschließt. Jade ist frisch verheiratet, ihr zwanzig Jahre älterer Mann schlägt sie – und Darcy meint, ihn irgendwoher zu kennen.
„Bad Tourists“ ist irgendwie „runtererzählt“. Obwohl es ein Thriller sein soll (glaube ich), hält sich der Spannungsbogen in Grenzen und die Motivation, weiterzulesen, ebenso. Auch stören mich sprachliche „Schlampigkeiten“, etwa in einem Satz wie diesem: „Ihre Aufgekratztheit ist ansteckend und Balsam an einem ansonsten nervenaufreibenden Tag.“ Hä? Da hat die Autorin nicht wirklich nachgedacht, was sie schreibt: Aufgekratztheit als „Balsam“, wenn er „ansteckend“ ist? Das ergibt null Sinn.
Kurzum: Ein Buch, das nicht weh tut, das man sich aber auch sparen kann. Für mich war die überraschende Wendung keine, ich hatte irgendsowas in der Art als Auflösung geahnt. Zu klischeehaft und plakativ werden falsche Fährten gelegt und Opfer skizziert. Meine Meinung über den Bücher-Podcast allerdings – bzw. von der Redakteurin, die das Buch empfohlen hat – hat sich gewandelt: Von ihr werde ich keine Buchempfehlung mehr annehmen!


