Alte Liebe

Elke Heidenreich/ Bernd Schroeder

Seiten: 191
Verlag: Fischer Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2011
ISBN-Nummer: 978-3-596-18749-2

Elke Heidenreich habe ich erst vor kurzem - und damit relativ spät - „entdeckt“. Ich mag ihre leichte Art zu erzählen und ihren Witz. Deshalb habe ich bei diesem Fund im öffentlichen Bücherschrank zugegriffen.

Lore und Harry sind seit fast vierzig Jahren verheiratet. Eine „Alte Liebe“ eben. Harry ist in Rente, hat seinen Garten, ist zufrieden damit, er braucht nicht viel mehr. Lore will nicht aufhören in ihrer Bücherei, ohne sie – wie soll das denn da weitergehen? Doch Lore hadert.

“Altwerden ist nicht einfach, all die Verluste sind nicht einfach – Verluste von Kraft, Haaren, Zähnen, Schönheit, Libido, Verluste von Freunden, Leidenschaft, ich sehe überall nur Verluste. Aber Harry ist immer noch da, und ich sollte glücklich darüber sein. Ich bin glücklich darüber. Doch. Ja.

Ach, glücklich… Ich bin zufrieden. Er ist ein guter Mensch, wie hatten eine gute Ehe, haben immer noch eine gute Ehe, selten heutzutage, selten in unserer unruhigen Generation. Aber ist es schon Glück an sich, wenn es einfach nur hält? Ja, wahrscheinlich. Ich muss es so sehen. Wir lachen ja auch zusammen. (…) Mein Harry. Trotz allem: mein Harry. Das heikelste Thema ist letztlich immer Gloria, dieses seltsame Kind, vor dem wir beide mit Liebe, aber Verständnislosigkeit stehen.“

Gloria steht vor ihrer dritten Heirat, Lore und Harry kennen den diesmal-Auserwählten gar nicht. Er stammt wohl aus einer wohlhabenden Familie, eigenes Unternehmen. Ist das gut, wird die Tochter mit der kleinen, vaterlosen Enkelin nun glücklich?

“Alte Liebe“ ist immer abwechselnd aus Lores und aus Harrys Perspektive erzählt, erst ein, zwei Seiten Gedanken, dann ein kleiner Dialog zwischen den beiden. Humorvoll, nachvollziehbar, auch traurig. Erquickend, wenn sich beide einig sind oder erkennen, was sie aneinander haben – eben doch mehr als nur die vierzig gemeinsamen Jahre. Vorbildlich geradezu. Man könnte neidisch werden.

“`Ich habe nachgedacht und mich umgesehen, und ich habe zu viele Paare gesehen, die gelangweilt nebeneinanderher leben. Sie sitzen in Lokalen und reden nicht miteinander. Sie haben sich nichts mehr zu sagen, weil sie nichts Gemeinsames erleben und weil alles andere schon gesagt ist. Ich will nicht, dass wir so werden.´“

Das sagt Harry eines Tage zu Lore – und damit beschreibt er wohl einen Beziehungszustand, der generationenunabhängig ist. Umso schöner zu lesen, wie er sich um Lore sorgt, die immer depressiver zu werden scheint.

“Mir macht mein Beruf keinen Spaß mehr. Die Bücher sind nicht mehr, was sie mal waren. (…) Ich möchte ein ganz anderes Leben. Noch mal neu. Klüger angepackt. Studieren, reisen, nicht so schnell heiraten, lieber kein Kind. Ich hab das Gefühl, ich sitz auf einem Berg von Trümmern und rutsche ganz langsam ab, bis der Schutt mich begräbt. Ich muss mich zusammennehmen. Das geht so nicht weiter.“

“Alte Liebe“ ist ein sehr warmes, gefühliges Buch. Es sensibilisiert dafür, worauf es ankommt im Leben – auch dafür, das zu schätzen, was man (erreicht) hat. Ein sehr, sehr schönes Buch! Hoffentlich nicht nur, aber vor allem für die Generation 50+.

Ausgewählte Bücher:

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Alte Liebe


Elke Heidenreich/ Bernd Schroeder
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No way home


T.C. Boyle
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Im Schnee


Tommie Goerz