Alles ist ineinander verschränkt. Und zwar fließend. Man liest im Prinzip zwei Bücher im Buch – und am Ende ist einem ganz schwindelig. Was gechieht denn gerade, weil es in welchem Buch steht? Und geschieht es wirklich nur deswegen?
Franz Escher liebt Puzzle und verliert sich darin schon in jungen Jahren so sehr, dass er nicht einmal mehr die Avancen einer Kommilitonin bemerkt. Das bleibt irgendwie die herausragndste Eigenschaft. Er macht sich wenig aus Geld, das er als Trauerredner verdient, und ist nicht gerade der geselligste Typ. Als der Elektriker endlich kommt, liegt dieser „plötzlich“ tot in seiner Küche.
Marko Steiner hat umfassend gegen zahlreiche Mit-Mafiosi ausgesagt – und nimmt im Zeugenschutz eine neue Identität an, verlässt Italien und baut sich in Deutschland ein neues Leben auf. Im Erlernen der deutschen Sprache ist er ehrgeizig und talentiert. Jahrzehnte geht das gut – bis er einen Job als Elektriker annimmt …
„Da ihm das Puzzle vollkommen entglitt, gab er auf und versuchte, ein paar Seiten zu lesen.
Ala blieb vor Schreck das Herz stehen, als die Schlafzimmertür sich öffnete. Sie saß mit dem Buch am Boden, und die Gestalt ihres sonst nie bedrohlichen Vaters stand übermächtig über ihr. Aber es war nicht nur die Perspektive. Es war die bebende Wut in seiner Stimme. Was machst Du da? Keineahnung . lesen , sagte sie und hielt ihm wie zum Beweis das Buch hin. (…) Seit seine Tochter überzeugt war, von allem eine Ahnung zu haben, brachte sie in jedem ihrer Sätze mindestens ein gedankenloses keienahnung unter. Das sind meine Sachen! , fuhr er sie an. Da hast Du nichts herumzuschauen! Er versuchte, ihr das Buch zu entreißen, aber seine Tochter war so viel gelenkiger als er, dass sie ihm problemlos entwischte und samt Buch bei der Tür draußen war (…). Seine Tochter verschanzte sich in ihrem eigenen Zimmer, setzte sich die Kopfhörer auf, drehte die Lautstärke bis zum Anschlag und las weiter.
Drei Tage vor der Bestattung meldete die Witwe sich schließlich doch noch, Ja, sie sei von der Chefin ihres Mannes informiertworden. Doch, doch, sie sei schon einversmit der Rede. Sie klang, als hätte sie ein Beruhigungsmittel genommen.“
Nicht immer sind die Sprünge zwischen den beiden Welten so rasch aufeinanderfolgend wie in dieser Textstelle. Aber davon lebt das Buch: Von nahtlosen Übergängen, denen man dennoch problemlos folgen kann.
„Wackelkontakt“ ist ausgesprochen amüsant, ohne wirklich witzig zu sein. Aber das Hin und Her und das zunehmende miteinander-verwoben-sein ist unterhaltsam, die Charaktere sind sympathisch, die parallelen Handlungen haben Tempo.
Ein Buch, das meine Neugier und meine Erwartungen nicht enttäuscht hat! Lesenswert!


